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Chamaeleon Theater Horb a.N.: Ein Lebemann bereut sein Tun

KKF – Kunst und Kultur im Farrenstall – lud zu einer Open-Air-Veranstaltung ein. Bei schönstem Sommerwetter präsentierte „Das Chamaeleon“ aus Horb am Samstag „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal.

 

Bei Hofmannsthal ist Jedermanns Anbetung des Götzen Mammon ein Problem auf dem Weg in ein Leben nach dem Tod. Die herrlich erfrischende, entstaubte Umsetzung von Dorothee Jakubowski, die einen knallharten Kapitalisten im 21. Jahrhundert aufzeigt, blickt genau so auf den unbewältigten Sachverhalt von Tod und Gott wie auf das Aufeinandertreffen von herzlich-menschlichen und kalt-monetären Werten. Dabei konnte das Publikum Leben und Sterben des genusssüchtigen Protagonisten hautnah erleben. Beim rauschenden Fest für seine Geliebte und die teuflisch gute Gesellschaft servierten Tobias Haas und Doro Braun von KKF, als Bedienpersonal exzellent in die Szenen eingebunden, opulente Speisen und ausgewählte Weine. Der Kirchplatz wurde zum Schlemmerfeld auf dem das Laute, Schillernde und Leidenschaftliche und dessen Schattenseiten in der bildhaften Wortkunst Hofmanns­tahls beleuchtet wurde. Jedermänner wird es immer geben und die Fragen dazu ebenfalls. Wie und wofür lohnt es sich zu leben? Für Geld, Macht, Begierde? Für inneren Frieden, für Liebe? Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt? Wie ist der letzte Atemzug, wenn der Tod anklopft und das göttliche Gericht wartet?

 

Im Stück wird Jedermann ein Aufschub gewährt. Er hofft auf Hilfe aus seinem Umfeld. Wird sein egoistisches Kalkül aufgehen? Amüsement und seelische Tiefe zeigen sich in guter Balance. Wenn Andreas Schnell als Jedermann die aufreizend-berechnende „Buhlschaft“ (Rosa Maria Paz) im engen roten Kleid begehrt, knisterte es geradezu vor Erotik. Die Sorgen seiner Mutter (Monika Bugala) lassen ihn kalt. Er setzt auf seine Freunde, die ihn im Stich lassen, so auch seine Dienerschaft. Ausgelacht wird er sogar vom ruppigen Mammon. Die Angst vor dem Tod sitzt allen im Nacken. Dann kommt der bedrohliche kalte Tod zurück (beeindruckend verkörpert von Dorothee Jakubowski) und fordert Jedermann auf, nun mit ihm zu gehen.

Aus der Ferne ertönt leise die Stimme der Hoffnung (Rosa Maria Paz). Jedermann hört seine „guten Werke“, die noch als einzige zu ihm halten. Zu schwach ist das bleiche kranke Wesen jedoch, um die Seele Jedermanns vor dem Zugriff des Teufels (Swen Richter) zu retten. Doch gemeinsam mit ihrer erhabenen Schwester, dem „Glauben“ (Magdalena Rau) schaffen sie Jedermanns Wandlung zur Bußbereitschaft. Die vielen begeisterten Zuschauer spendeten lang anhaltenden Applaus für ein sympathisches Ensemble mit überzeugender Spielfreude.

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