An dieser Stelle finden Sie Texte und Fotos eines Auszugs von vergangenen Veranstaltungen. Waren Sie dabei - hat es Ihnen gefallen? Oder haben Sie eine Anregung oder Kritik für uns? Sagen Sie uns Bescheid im Gästebuch!

 


Dornhan Flüche mit philosophischem Tiefgang

Von Schwarzwälder-Bote 17.05.2016 - 19:01 Uhr
Berthold Biesinger philosophiert als Bauer Karl Hofreiter, Wladimir spielt dazu die
"Quetschkommode" Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Hanni Vollmer

Mit dem Monolog "Der Feierabendbauer" war das Theater Lindenhof aus Melchingen zu Gast bei KKF - Kunst & Kultur im Farrenstall. Wer sich unter dem Titel schwäbisches Ohnsorgtheater vorgestellt hatte, wurde enttäuscht.

Es war ein Abend, getragen von philosophischen Gedanken über die Existenz kleiner Bauern und die Folgen der heutigen Überflussgesellschaft. Tiefgang hatten die Flüche und Sehnsüchte, die der Kleinbauer auf urschwäbisch von sich gab.

"Schön gehabt" hätten es seine Kühe, Schweine und Hennen bei ihm. Die Holsteinkuh, die Turbokuh, die 10 000 Liter Jahresleistung Milch produziert, war nie in seinem Stall. Natürlich erzählte Hofreiter nicht alles todernst, Lachen war auch angesagt. Manche Äußerungen waren jedoch so sarkastisch, dass es den Zuhörern buchstäblich im Hals stecken blieb.

Der Bauer ist stinkig. Bürokraten, Kirchturmpolitiker in Berlin und Brüssel und Großkopfete haben ihm sein "Gschäft" verleidet. "Sabberlot – Hunderte von Vorschriften machen keinen Spaß." Geradezu prädestiniert ist Berthold Biesinger, ein "Lindenhofbub der ersten Stunde", wie er sich selbst nennt, für die Rolle des nebenberuflichen Landwirts Karl Hofreiter, der sein letztes Äckerle verkauft und mit dem Leiterwägele hinaus in die weite Welt zieht. Wie grotesk – er, der seine Heimat so liebt, wird Nomade und Flüchtling im eigenen Land. Nun geht er und sagt sich: "Vornedraus ist noch nix verloren, da kannst du ein neues Werk schaffen, vor einem großen Himmel, der wo über dir ist, vor dem gleichen Himmel, wie der wo hinter dir einmal war." Unterwegs trifft er den russischen Quetschkommodisten Wladimir, der anscheinend kein Wort Deutsch versteht.

Voller Missverständnisse sind die Dialoge der zwei. Dem Karle macht das nichts aus, er redet sowieso am liebsten selber. Den melancholische Weisen spielenden Russen lädt er zum zünftigen "Veschbr" mit Salami, Brot, Espresso und viel Schnaps ein. Begeistert und betroffen gleichermaßen lauschten die Zuhörer im sehr gut besuchten Bürgersaal den Monologen des nach dem verlorenen Glück Suchenden.

Ökologie, Ökonomie, Landwirtschaft, Politik, Turbo-Kapitalismus, Heimat waren die Themen. Da ging es um Missklang von Mensch, Tier, Umwelt, um Wende oder Ende. "Zuständ zom uf dr Sau naus reita". Dabei kommt er ins Schwärmen über den guten Boden seiner verkauften Äcker, seine "Obschtwiese mit Goldparmener, Brettacher, Glockenäpfel". Dann spricht er von der Liebe, seiner Liebe zu seiner an Krebs gestorbenen Erika. Warum schickt man Raketen ins Weltall, anstatt das Geld in die Krebsforschung zu stecken?

Nähren die grausamen Schicksale in der Welt nicht auch die Gotteszweifel? Aber ist an allem letztlich nicht der Mensch selbst schuld, mit seiner Gier, seinem Geiz? "Der Mensch ist ein Mängelwesen. Wenn a Kuah so wär, hett mer se schon lang wegdoo." Lang anhaltender Applaus für bittere Pillen vom Karle. Für Wladimirs Akkordeonklänge wird ein Zylinder herumgereicht.

THEATERSPORT am 28. September 2013 in der Stadthalle Dornhan

Lockere Show in der Wettkampfarena

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Am Samstag hieß es in der Dornhaner Stadthalle Anpfiff für Theatersport mit dem Harlekin-Theater von Volker Quandt und dem Landestheater Tübingen. Mit tosendem Applaus bedankten sich die rund 350 Besucher am Schluss bei den zwei Mannschaften "TSC Fortuna Faust" und "Coole Rampe", die mit ihrer lockeren Show die Halle für einen Abend lang zur Wettkampfarena verwandelt hatten.

Sie spielten in ihren Teams in immer wechselnden Besetzungen theatralisch um die Wette, was und wie es dem Publikum gefiel. Nichts war unmöglich. Dabei wurde ein Potpourri aus Schauspiel, Musik, Comedy, Pantomime, Tanz und Entertainment mit viel Wortwitz, Kreativität und Spontanität geboten. Alles improvisierten die Schauspieler spontan auf Zuruf der Zuschauer. Eine tolle Interaktion zwischen Publikum, Moderation, Schauspiel und Musik.

Genauso traten die Teams in den Disziplinen "fortlaufende Geschichten, Stegreif-Schauspiel, Musik, Poesie, Duell und Joker" gegeneinander an. Zu Beginn erbat das Publikum eine Geschichte mit dem Titel "Wir steigen den Berg hinauf". Mitten im Erzählen forderte Spielleiter Quandt, ohne Konsonantenverdoppelung weiter vorzutragen. Da hagelte es Rausschmisse. Die ersten Punkte gingen an die "Coole Rampe". Beim Film, frei nach Rosamunde Pilcher, "Das Lavendelfeld", konnten selbst die Schauspieler sich das Lachen nicht verkneifen. Der Krimi "Tod im Hintergrund", bei dem die Spurensuche feststellte, dass die Tote entweder vergiftet oder mit dem Messer erstochen worden sei, Genaueres müsste noch recherchiert werden, tobte das Publikum. Zur Disziplin Musik gab es Kuschelrock "Dein Lächeln sagt mir alles" und im Stile von ACID "Lügen haben kurze Beine".

Biblisch angehaucht hatte das erste Team eine Geschichte im "Sägewerk" zu erfinden. Der Favorit des Publikums in dieser Disziplin war jedoch "TSC Fortuna Faust" mit "Das Küchengerät" frei nach Loriot. "Paparazzi" hieß die Oper, in der schließlich alle starben. Spannend stellte sich das Reimeduell dar. "Biogas" und "Alzheimer Forschung" gab es zur Disziplin Armvortrag. Hier mussten zwei Schauspieler gemeinsam auftreten, der hinten stehende übernahm die Arme des vorne stehenden in der Gestikulation und der andere trug das Referat gemäß den Arm- und Handbewegungen vor. Beide Referate waren einfach köstlich. Mit 27 zu 23 Punkten schlug schließlich die "Coole Rampe" "Fortuna Faust".

Quelle: schwarzwaelder-bote.de

 


"LYSISTRATE" von Aristophanes - Zimmertheater Rottweil, Open-Air auf dem Kirchplatz am 6. Juli 2013

MIT WEIBLICHEN WAFFEN GEGEN DEN KRIEG

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Martin Miller und seine fleißige Truppe vom KKF mussten wegen des Wetters für das Open-Air-Theater am vergangenen Samstagabend nicht bangen.

Zur erfrischend direkten und sehr modernen Inszenierung von Aristophanes’ "Lysistrate" von Tonio Kleinknecht konnte das Zimmertheater Rottweil noch den Charme einer schwäbischen Sommernacht auf dem ausverkauften Kirchplatz bieten. Intendant Kleinknecht verabschiedet sich mit einer beeindruckenden Produktion dieser Komödie. Er wechselt nach zehn Jahren prägender Arbeit ans Theater Aalen.

Aristophanes ist ein Komödienschreiber par excellence. Mit "Lysistrate" verfasste er ein Plädoyer gegen den Krieg und für die Strategie der Frau. Krieg und Frieden zwischen Völkern gehören zur Geschichte wie zur Gegenwart. Auch die Klischees um Mann und Frau sind so alt wie die Welt. In Aristophanes’ 2400 Jahre altem Stück lehrt die rebellierende Lysistrate den Frauen Griechenlands und den verfeindeten Spartanerinnen, die der ewigen Kriege ihrer Ehemänner müde sind, ihre weiblichen Waffen äußerst schlau einzusetzen. Kein Zutritt zu den heimischen Schlafzimmern und Konfiszierung des Staatsschatzes sollen zum Frieden führen.

Lysistrate kommt dann auf das 21. Jahrhundert zu sprechen und formuliert eine aktuelle Friedensbotschaft. Hätten nicht seit dem Zweiten Weltkrieg mehr als 16 Millionen Menschen ihr Leben verloren? "Was kümmert Euch das, Männer?" Gekonnt werden Botschaften von Bertha von Suttner, Rosa Luxemburg oder Simone de Beauvoir eingeflochten. Danach heißt die Devise sexuelle Aushungerung. Doch halten dies auch die Frauen selbst durch?

Claudia Sutter betont die Figur der Lysistrate überlegen und geschickt agierend. Fortissima ist Franziska Anna Bonn als Kalonike. Ein ganzes Frauenheer, das die Burg besetzt hält, kommt als pazifistische Bewegung hinzu. Hier überzeugte Chorführerin Alessandra Ehrlich.

Mit der erzwungenen Enthaltsamkeit geht es den heimkehrenden müden Kriegern schlecht, war doch der sexuelle Gehorsam der Frauen bis zur Besetzung der Burg selbstverständlich. Die Ratsherren sind verzweifelt. Hier faszinierte und überzeugte Patrick Hellenbrand in seiner ausdrucksstarken Präsenz auf dem Schauplatz. Ralf Schneckenburger, spartanischer Herold, legte sich ebenfalls mit spielerischem Können ins Zeug. Der Bettstreik lässt die rätselhafte Myhrrine, welche Fabienne Trüssel mit Hingabe spielt, jedoch genauso leiden. Und nach und nach geht es den anderen Frauen mit der Machtprobe nicht anders. Und doch gibt sich das männliche Heer in dieser kuriosen Schlacht von der eigenen Männlichkeit geschlagen.

Viel Applaus für eine Komödie mit Botschaft, für die Kraft einer guten Idee. Viel Applaus auch für Cornelia Schönwald und Tonio Kleinknecht, die sich Regie und Dramaturgie geteilt haben.

Quelle: Schwarzwälder Bote

LIZZY AUMEIER "BEST OF" AM 27. APRIL IM BÜRGERSAAL

Die Sexgötting aus der Oberpfalz macht auch vor dem Bürgermeister nicht Halt

Lizzy war da. Und alles, was bei Drei nicht auf dem Baum war, kam drunter. Die Herren im Publikum waren ihre Ansprech- und Spielpartner. Herbert aus der ersten Reihe rechts, der Mann mit Erfahrung. Mario aus der ersten Reihe links, der Mann mit dem sportgestählten Körper. Der eigene Ehemann ganz hinten, der Ossi, der dank Lizzy nun auch endlich Deutsch spricht. Martin Miller, der Chef von KKF, "der Bulle", von dem sich Lizzy gerne mal mit Handschellen ans Bett fesseln lassen würde.
Und natürlich der Bürgermeister. Er wurde nicht nur verbal angebaggert, er musste ran, und das mitten auf der Bühne. Unerschrocken schritt er zur Tat und gab zusammen mit der Aumeier den Liebhaber aus Titanic. Forsch griff er zu, mit fester Stimme las er tapfer ab, was Lizzy ihm notiert hatte: Schönste Liebeserklärungen, gepaart mit klaren und direkten Aufforderungen. Markus Huber fand, ohne mit der Wimper zu zucken, eindeutige Worte (was blieb ihm auch anderes übrig) und hatte die Sexgöttin aus der Oberpfalz dabei stets fest im Griff. Das Publikum quittierte die Szene mit tosendem Applaus, wie immer wieder, den gesamten Abend über. Erneut ein toller Abend in einem ausverkauften Bürgersaal

 


 

Hier dazu der Pressebericht von Hanni Vollmer (Schwarzwälder Bote):

Neben diversen Konzerten, Aufnahmen für den Rundfunk und Auftritten im Fernsehen zieht es die beliebte Kabarettistin Lizzy Aumeier immer wieder auf die Bühnen der Kleinkunst-Szene. So auch am Samstagabend, wo sie bei "Kunst und Kultur" im voll besetzten Farrenstall gastierte.

Eines ihrer prägnantesten Zitate lautet: "Mein Körper ist mein Kapital!" In der Tat ist ihre Körperfülle Teil ihrer starken Bühnenpräsenz, jedoch müssen ihre Offenherzigkeit, ihre gnadenlose Selbstironie, ihre natürliche Spontanität, ihr fränkisch- oberbayrisches Mundwerk sowie ihre grandiose Komik im selben Atemzug genannt werden. Kaum hat die lustige Nudel im knallroten Kleid ihr Publikum mit "Servus" begrüßt, geht’s auch schon los. Leicht schräg philosophiert sie über ihr Aussehen in herrlichen Wortaneinanderreihungen, die nicht unbedingt den Regeln der Syntax entsprechen, jedoch nicht ohne Wirkung bleiben, dazu kommen lustige Wortspiele. Nichts lässt sie aus, alles kommt dran, das Doppelkinn, der voluminöse Busen, Krampfadern, Sex bei ihrem Gewicht, das sie nur mit strengen Essgewohnheiten halten könne, bis hin zur Kleidergröße 76, die es laut Verkäuferinnen leider gar nicht gäbe. Und nackt vor dem Spiegel: "Das gönn’ ich ihm", sie meint ihren sächsischen Ehemann, der nun endlich deutsch spräche. Vor ein paar Tagen klotzte ein Fremder auf ihren Hintern: "Was für ein Arsch" – dasselbe kam ihr in den Sinn, als sie in sein Gesicht schaute. Zwischendurch rollt sie ihre großen, strahlenden Augen und gönnt sich einen kleinen Moment des Innehaltens, um gleich darauf wieder ihr fränkisches "R" zu rollen.

Danach geht es um Sex und Macht, Männerfantasien und Frauenträume, die sie reichlich neckisch mit frivolen Kommentaren pfeffert. Gekonnt hält sie dabei die richtige Spannung zwischen Humor und Hintersinn. Besonders das sogenannte starke Geschlecht hat es ihr angetan. Mit ihren reichlich vorhandenen erotisch-fleischlichen Reizen, die die 49-Jährige – laut eigenen Angaben gehe sie auf die 40 zu, sie wisse jedoch nicht mehr von hinten oder von vorne – gerne zur Schau trägt, flirtet sie schon gerne mit dem einen oder anderen Zuhörer, um andererseits diese runden Reize komplett auf die Schippe zu nehmen. Auch plaudert die Rubensfrau aus dem Nähkästchen: "Ich steh’ auf ausgefallenen Sex – gestern ist er ausgefallen." Auf das schwach ausgeprägte Gehirn des Mannes spielt sie an: sie: "Schatz, ich wünsche mir von Dir etwas, das mit "S" anfängt und mit "x" endet. Er: "Was willst Du mit einer Steinflex anfangen?"

Auf die Bühne holt sie Bürgermeister Huber und spielt mit ihm total schräg die letzten Szenen aus "Titanic", auch mit Martin Miller, dem "Bullen", hat sie ihren Spaß. Tränen lacht das Publikum über die Tratschtante, die laut Jury zu den witzigsten Frauen auf deutschen Kabarettbühnen zählt, als sie die Rollenverteilung in der Ehe sarkastisch überzogen, aber farbecht thematisiert.

Ein toller Abend, ein begeistertes Publikum, langer Applaus, starke Zugaben.

Quelle: Schwarzwälder Bote

 

 


ABI WALLENSTEIN & BLUES CULTURE FEAT. STEVE BAKER UND MARTIN RÖTTGER AM 16. MÄRZ IM BÜRGERSAAL

Mehr als zwölf Takte und Seelenfinsternis

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Dass KKF für Kunst & Kultur im Farrenstall steht wurde am vergangenen Samstag wieder einmal bestätigt. Abi Wallenstein gilt als einer der hervorragendsten Blues-Interpreten Europas. Seine beinahe mythische Reputation steht für überwältigende Expressivität im Gitarrenspiel und für berauschend "schwarz" in der Stimme.

Mit den langjährigen Weggefährten Steve Baker, Mundharmonika sowie Martin Röttger, Cajon und Percussion, mit denen er im Jahre 2002 „Blues Culture“ gründete, stand ein großartiges Trio auf der Bühne, das die Vielfalt des so legendären Blues voller Enthusiasmus und Spannung darbot.

Die Besucher jeder Altersstufe waren von der Macht dieser Musik gefangen und erlebten Blues von verführerisch über erdig hin zu wehmütig sowie schwungvollen Jazz, wilden Boogie und schrägen Rock und dem gegenüber wurden wunderschöne und gefühlvoll vorgetragene Balladen gestellt.

Neben Songs wie "Keep your hands off her" und "The Mogo Blues" erzielten auch "Sugar Mama" und "I am leaving to stay" oder "Shake your Boogie" beim Publikum ihre Wirkung durch den hervorragenden Gesang, dem raffinierten Fingerpicking und das ausdrucksstarke Auftreten von Abi Wallenstein, der im Alltag eher schweigsam und introvertiert ist.

Jeder der Musiker beeindruckte mit tollen Soli. Immer wieder Zwischenapplaus bekam Steve Baker an der Mundharmonika, der zu den einflussreichsten Spielern in der Szene gehört. Auch Martin Röttger am Cajon gab zeitweise die musikalische Marschrichtung vor und bekam wahre Beifallsstürme für seine bluesigen Soli in rasanten Tempi.

Die Zuhörer waren begeistert über das abwechslungsreiche Repertoire, neben Eigenkompositionen ging es auch ausdrucksstark durch die Blues-Geschichte: Da gab es den klassischen Blues, den Delta-Blues und ebenso den Bluesrock. Kurzum, weit mehr als nur zwölf Takte und Seelenfinsternis.

Eine mitreißende Interpretation des Blues mit jener Traurigkeit, die fröhlich macht. In der Tat wurde hervorragende Musik und starke Lyrik geboten. So manche begeisterungsfähigen Musikfreunde ließen es sich nicht nehmen, zu den packenden Sounds und Grooves in dem dazu passenden Kneipenambiente zu wippen oder sich zu wiegen. Und zum Schluss tanzte die ganze Kneipe zu "The Hip Sake" und zu Boogie-Klängen. Das Team von KKF hatte am Nachmittag kurzerhand das Umfeld dem Konzert angepasst.

Martin Miller war mehr als begeistert über den "gnagelt vollen Saal" und die unbeschreibliche Stimmung. Ihre authentischer Annäherung an die vielen Gesichter des Blues, ihre Begeisterung und fesselnde Bühnenpräsenz zeigte, dass die Vollblutmusiker der ungewöhnlichen Band "Blues Culture" einfach Spaß hatten und dabei noch beeindruckend virtuos waren. Mit "I had a woman" und "It was early in the morning" verabschiedete sich die Kult-Gruppe im Dornhaner Farrenstall.

Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de


TSCHECHOSLOWAKISCHES KAMMERDUO AM 23. FEBRUAR 2013 IM BÜRGERSAAL

Violine und Klavier in perfekter Harmonie

Schwarzwälder-Bote, 24.02.2013 18:06 Uhr

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Das Tschechoslowakische Kammerduo gab am Samstag ein meisterliches Konzert bei Kunst und Kultur im Farrenstall (KKF) im Rahmen der Kooperationsgemeinschaft "Dreiklang Klassik im Landkreis Rottweil". Zusammen taten sie sich im Jahr 2004 in Brünn: die slowakische Pianistin Zuzana Berešová und der tschechische Violinist Pavel Burdych. Seitdem sind sie gemeinsam auf Tournee in ganz Europa.

Auf dem Programm am Samstag standen Werke von Dvorák sowie Komponisten, die sein Leben stark beeinflusst haben, wie Janácek, Smetana, Tschaikowsky, Brahms und Suk. Mit der hinreißenden Romanze in F-Moll Op. 11 von Antonín Dvorák aus dem Jahr 1877 eröffneten die beiden Musiker den Konzertabend und fesselten ihr Publikum sofort. Diese zauberhafte Musik voll slawisch-melancholischer, gleichwohl leidenschaftlicher Poesie interpretierte das Duo wehmütig und doch leicht schwebend, in tadellos ausgewogener Technik und herrlich im Zusammenspiel. Die klangliche slawische Farbenpracht erlebten die Zuhörer auch beim zweiten Stück von Dvorák, der Sonate in F-Dur, Op. 57. Formenreich, fantasievoll und locker gestalteten sie diese Komposition und harmonisierten perfekt die unterschiedlichen Tempi. Ausgelassen, spielfreudig, keck und doch elegant modellierte das charmante junge Paar den rasanten Schlusssatz, allegro molto überschrieben. "Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben", hatte Johannes Brahms, der Antonín Dvorák zum internationalen Durchbruch verhalf, über seinen Freund einst gesagt. Brahms Scherzo WoO. 2 erklang ungestüm wuchtig, expressiv, dagegen gesetzt wurde das besinnlich versunken klingende "Dumka", eine Komposition des 1854 im damaligen Mähren geborenen Leos Janácek.

Tschaikowsky schrieb das Violinkonzert D-Dur op. 35 im Jahr 1878 am Genfer See, wo er sich von Depressionen erholte. Die positive Wirkung seines Aufenthaltes und die neu gewonnene Lebensfreude manifestiert sich in dieser Musik, die beide mit genialer Spannungsbalance und Enthusiasmus spielten. Ein Hörgenuss – Bedrich Smetanas lebendige Bildererzählungen "Aus der Heimat Nr. 2" (G-Moll andantino). Von dem Prager Komponisten und Schwiegersohn Dvoráks, Josef Suk, konnten die Besucher mit dem "Märchen" Op. 16 zauberhafte urböhmische Atmosphäre einfangen. Die "Mazurek" Op. 49 von Dvorák, eine Herausforderung für jeden Geigenspieler, meisterte Burdych virtuos. Die klanglich reizvolle Bindung zwischen Violine und Klavier, besonders in den tänzerischen Abschnitten, wurde mit Begeisterung aufgenommen. Ein wunderbares Konzert, das sehr viel Beifall und zum Schluss Standing Ovations erntete.


FABULOUS FOUR A-CAPPELLA AM SAMSTAG, 17. NOVEMBER 2012 IM BÜRGERSAAL

Ein fabelhaftes Vierer-Konzert

Schwarzwälder-Bote, 18.11.2012 20:00 Uhr

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Nach dem erfolgreichen Konzert der "Füenf" im vergangenen Januar trat am Samstag wiederum ein A-cappella-Ensemble im Farrenstall auf: die "Fabulous Four" aus dem Südschwarzwald.

Markus Hirzle, Bariton, Bassist Hansjörg Hirzle sowie die beiden Tenöre Klaus Blatter und Thilo Rebmann verbergen sich hinter den "fabelhaften Vier", die, außer Thilo, der Musiklehrer ist, im sogenannten realen Arbeitsleben nichts mit Musik machen.

"Was soll’s, Profi oder Amateur, das ist letzten Endes wurscht, wir sind Musiker mit Leib und Seele und geben das Beste und haben dabei Spaß. Des bast scho", so beschreibt sich das Quartett auf seiner Homepage.

Und "dass des scho bast" bestätigte die Begeisterung der Zuschauer im gut besetzten Farrenstall schon nach wenigen Songs. Die Gruppe bot ein vielseitiges Programm mit originell erarbeiteten Arrangements bekannter Klänge. Ihr Repertoire reicht von Schlagern und Volksliedern, Oldies, Pop, ruhigen Balladen über Jazz mit wohl temperiertem Swing-Sound und groovendem Rock bis hin zu Vocal-Percussion. Je nach Arrangement gruppieren sie sich in Leadsänger, Background-Sänger oder effektvolle musikalische Untermalung wie Gitarre, Trompete, Kontrabass, Schlagzeug.

Großen Beifall erntete Bariton Markus mit Fendrich’s "Macho, Macho, er hat einen Hintern wie ein Appollo". Der Jüngste, Tenor Thilo, bezauberte mit Ray Charles’"Halleluja". Auch als frisch gebackener Echo-Preisträger Robbie Williams-Rebmann nahm er sämtliche "Angels" im Saal für sich ein. Klaus Blatter faszinierte mit Tina Turners "I Can’t Stand The Rain". Für "Down In Africa" erklärte der Vollbluttechniker, wofür "dis rote Keschtle, der Looper" aufgestellt worden sei.

Einfach genial war Hansjörg, der Mann mit dem tragenden Bass, als Ben Oakland mit "Java Jive". Dass die Vier auch stahlharte Sportler sind, zeigte Hansjörg mit seinem Bassisten-Marathon, in Zeitlupe natürlich, mangels Platz.

"Mir vier und Ihr" lautete das Programm, da versteht es sich von selbst, dass die Zuhörer rhythmisch, gesanglich und spaßig einbezogen wurden. Markus erwies sich dabei als pfiffiger Entertainer, der charmant und verbal-akrobatisch im fröhlich klingenden Alemannisch unterhielt. So analysierte er humorvoll manche Songs auf deren Essenz. Lauthals lachten die Zuhörer über seine Interpretationen von "Choclatchip Cookies" von den Wise Guys. Nach "In Mueters Stübele" auf alemannisch folgte die italienische Übersetzung, die, wie kann es anders sein, "Viva la Mamma" lautete.

Der Abend mit den "Fabulous Four" war kurzweilig, lustig, witzig – kurzum – ein gelungener Auftritt. Am Ende erklatschte das Publikum mit frenetischem Beifall zwei Zugaben, eine davon "Männer" von Herbert Grönemeyer, die sie ohne Mikrofone hervorragend übertrieben vortrugen. "Vergeld’s Gott und verzellet elle, wie’s schön isch mit iis un miir freue uns iber alli, die in iisere Websitte rilueget un ibbes Guetis nischriibet."


DIE PRINZEN auf Kirchenkonzerttournee, in Dornhan am 12. und 13. September 2012

IN ZAHLEN


2 Konzerte - 4 Tage Einsatz für 22 KKF-Helfer - 7 Prinzen - 12 Techniker - 800 Besucher (inkl. 3 Japanerinnen & 1 Kieler) - 300 Baguettes – 29 x 2 Lieder – 2 x 2 Stunden pralles Programm – 40 durchgeschwitzte Handtücher – 300 Kretschmann-Fotos


IN ZITATEN


„Mensch Leute, macht ihr Lärm. Denkt dran, wir sind in einer Kirche!“
Sebastian Krumbiegel, augenzwinkernd


„Ich weiß, die Kirchenbänke sind so gemütlich. Okay, bleibt ruhig sitzen. Wenn ihr könnt...“
Krumbiegel, der Animateur


„Und jetzt nehmen alle die Hände nach oben zum Klatschen. Bis über den Kopf. Das riecht dann auch besser beim Sitznachbarn!“
Krumbiegel - immer einen Spruch parat


„Und wenn ihr heute das Video an der Wand guckt und euch wundert, warum wir was ganz anderes anhaben als auf dem Film, dann hat der Techniker die Kassette von gestern eingelegt und ist nach Hause gegangen!“
Krumbiegel, auch beim Freitagskonzert noch fasziniert von der Videoübertragung für die Besucher auf der Empore


„Wisst ihr, warum wir in Dornhan gleich zwei Tage bleiben? Damit wir auch wirklich genug Zeit für all die Sehenswürdigkeiten hier haben!“
Krumbiegel, ironisch


„Und am Sonntag kommt ihr alle mal in den Gottesdienst! Geht auch hin, wenn es euch gut geht, einfach, um dafür Danke zu sagen!“
Tobias Künzel rührt die Werbetrommel für den Gottesdienstbesuch


„Wir sitzen beim Essen im La Perla, da ruft mein Vater an. Fragt: Junge, wo bist du denn? Sag ich: In Dornhan. Fragt er: Wo ist DAS denn? Da hab ich wahrheitsgemäß geantwortet: Dornhan, das liegt zwischen Bettenhausen und Busenweiler!“
Tobias Künzel, Geografie-As

OFT GEFRAGT


Wo haben die Prinzen eigentlich übernachtet? In Marschalkenzimmern im Löwen. Am Samstagmorgen wurden sie noch beim Geldabheben in der Sparkasse gesehen.


Was haben die Prinzen gegessen?
Sie hatten ihr eigenes Catering-Team dabei, das u.a. für frische Kürbissuppe gesorgt hat.


Was haben die Prinzen in ihrer Freizeit rund um Dornhan gemacht?
Zwei von ihnen sind am Freitagmorgen ins Wasserschloss nach Glatt geradelt, um Schwarzwälder Kirschtorte zu essen. Mittags ging es zum Geo-Caching.


Wie viele Freikarten gab es für die Konzerte?
Keine einzige. Ob Bürgermeister oder Pfarrerin, ob Kind oder Senior: Wer rein wollte und keine Helfer-Funktion hatte, musste sich eine Karte kaufen.


Was hatten die Lieder mit der Kirche zu tun?
Die Abfolge der Lieder war vergleichbar mit einem Kirchenbesuch. Man geht hin als Sünder („Du musst ein Schwein sein“), gibt ein Glaubensbekenntnis ab (wie Wolfgang Lenk an jedem Konzertabend). Man lernt, alles nicht so wichtig zu nehmen („Locker bleiben“). Schließlich hat man den „Backstagepass ins Himmelreich“. Den Abschluss machen „Ich schenk Dir die Welt“ und „Verleih uns Frieden“.


Und noch was hatten die Konzerte mit der Kirche zu tun!
Die Prinzen spenden 600 Euro für die Sanierung des Kirchendaches.


DAS KKF-TEAM BEDANKT SICH

bei der ev. Kirchengemeinde - Pfarrerin Susanna Herr – DRK – Feuerwehr und allen Helfern!

 


Zimmertheater Rottweil, Hamlet, Open-Air auf dem Kirchplatz, Sa. 21. Juli 2012

"Sein oder Nichtsein" open air

Schwarzwälder-Bote, vom 22.07.2012 20:05 UhrHamlet und Laertes kämpfen mit vergifteten Degen und sterben beide.  Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote

Hamlet und Laertes kämpfen mit vergifteten Degen und sterben beide. Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Was gibt es Schöneres als ein Theaterstück an einem lauen Sommerabend unter freiem Himmel? Aber in diesem Sommer schlägt das Wetter seine Kapriolen. Am vergangenen Samstag hoffte das Ensemble vom Zimmertheater Rottweil und der Kulturausschuss von KKF trotzdem, dass Shakespeare's Hamlet auf einem trockenen Kirchplatz aufgeführt werden konnte. Bis kurz vor Spielbeginn regnete es noch. Vorsorglich kamen die über 120 Besucher mit warmen Decken, Anoraks und Capes bestückt. Denn Danielle Strahms subtile, thematisch verdichtete Inszenierung ist Freilichttheater, nicht für eine Aufführung auf der Bühne gedacht. Mag die neue Stadthalle noch so schön sein. Und irgendwie passten Bangen und prüfende Blicke gen Himmel gut als Einleitung zum Stück. Pünktlich um 20 Uhr, zu Hamlets philosophischen Gedanken über das "Sein oder Nichtsein" und die menschliche Existenz im Allgemeinen vor dem Hintergrund einer Königsmordgeschichte, hörte es zu regnen auf. Das Publikum konnte den zwiegespaltenen, nicht heroischen Hamlet, hervorragend von Tobias Fend dargestellt, ohne Regen genießen. Mit seiner Unentschlossenheit, der Flucht in den vorgespielten Irrsinn bot er seinen Gegnern Nährboden für gewaltige Machenschaften, in die Hamlet's Mutter Gertrude und die unerfahrene junge Ophelia einbezogen waren. Kristine Walther spielte diese beiden unterschiedlichen Rollen hervorragend. Patrick Hellenbrand, präsent als machtbesessener Claudius und Ralf Schneckenburger als der geschwätzige, mit Weisheiten um sich werfende Polonius, Vater von Ophelia und Laertes, haben sich sehr gut in ihren Rollen bewegt. Bastian Thurner malte den rachelustigen Laertes expressiv, und Arwid Klaws zeigte sich unerschütterlich treu als Hamlet's Freund Horatio. Klaws und Thurner schlüpften zudem noch in die Rollen der übereifrigen Höflinge Rosenkranz und Güldenstein. Bei Horatio's ängstlicher Bemerkung: "Da ist was faul im Staate Dänemark" begann es kurz zu nieseln, hörte aber wieder auf bei Hamlet's Gedanken über Tod und Schlaf. Und langsam näherte man sich dem Schluss mit einer Szenerie übersät mit Toten, Handlungsraum für die beiden Totengräber (Klaws und Thurner). "Der Rest ist Schweigen", so Hamlet. Nur sein Freund Horatio überlebt. Die Aufführung mit vielen eindringlichen Szenen, in denen die Schauspieler ihre hervorragenden Fähigkeiten unter Beweis stellten und in denen das Publikum die schöne Sprache Shakespeare's in ihrer stilistischen Vielfalt mit allen Zwischentönen genießen konnte, war ein besonderes Erlebnis. Und, man glaubt es kaum, das Wetter hielt dann bis zum Schluss.

 


Die Lehrer "Elternabend", Kabarett am Samstag, 21. April 2012

Was "Lehrer" erzählen können

Dornhan. Von Hanni Vollmer. Groß war er schon, der Lehreranteil bei den Besuchern im ausverkauften Farrenstall, als am vergangenen Samstag zwei Kabarettisten mit Beamtenstatus auftraten. Das übrige Publikum bestand aus Schülern, vor allem aus ehemaligen Schülern, allesamt reich an Erfahrung mit Lehrern und deren Image von »vormittags Recht und nachmittags frei«.
»Die Lehrer« Munz und Ruppenthal hatten als Schauplatz ihres Stückes »Elternabend« die Aula einer so genannten Gemeinschaftsschule gewählt. Wahrheiten spaßig ummantelnd zeigten sie dem Publikum ihren Schulalltag. Zwischendurch kamen immer wieder Fragen auf, ob sich nun jemand als Elternvertreter melde und ob sich alle in die Schnitzelliste für die anschließende gemütliche Runde im »Löwen« eingetragen hätten. Dann raste Ruppenthal wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, um die wuseligen Zustände einer Gemeinschaftsschule zu beschreiben. »Jeder holt sich seine Aufgaben, jeder macht was anderes, die einen unten, die anderen oben, alle kommen voran, die einen mehr, die anderen weniger«.
Eine höhere Schulbildung fordere die Synthese aus Religion, Sexualität und Mythos, meinte Munz. Früher hätten die Schüler bei diesem Thema seitenlange Aufsätze geschrieben. Der kürzeste Aufsatz sei nun in einem Satz zusammengefasst worden: »Mein Gott, ich bin schwanger, aber von wem?«
Aber sie lachten auch über sich selbst. Natürlich wissen sie, worüber sie philosophieren, denn im richtigen Leben unterrichtet Munz Deutsch und Französisch, Ruppenthal Mathematik und Physik. Sie erzählen von absurden Elternabend-Gesprächen. Manchmal müsse man sich ernsthaft fragen, ob über dieselben Kinder geredet werde. Ein Vater beschwerte sich, die Aufzeichnungen seines Sohnes wären gut, er hätte sie intensiv gelesen und analysiert. Die Vier minus stehe da wie fremd im Raum. Auch zu Evaluation, Schülerfragebogen und dem Unterschied zwischen Lehrern von der Uni und von der PH lassen sie sich aus. Und natürlich erleben Munz und Ruppenthal im »Schullandheim« mit schlaflosen Nächten nur stressig Erfreuliches. Deutsch- und Mathelehrer bekriegen sich schließlich. Um des Frieden willens einigen sie sich, dass Reif als Musiklehrer die ruhigste Kugel schiebe. Er begleitete die beiden übrigens hervorragend auf dem Klavier. Die lehrenden Kabarettisten boten ein sehr unterhaltsames und herrlich lebensnahes Programm. Veranstalter war KKF Kunst und Kultur im Farrenstall.

 


Klavierkonzert mit Jochen Ferber am Samstag, 24. März im ev. Gemeindehaus Dornhan

Mit feinem Gespür für Zwischentöne

Schwarzwälder-Bote, vom 25.03.2012 21:05 UhrEin Virtuose am Flügel: Jochen Ferber bei seinem Konzert im evangelischen Gemeindehaus in Dornhan.  Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote


Ein Virtuose am Flügel: Jochen Ferber bei seinem Konzert im evangelischen Gemeindehaus in Dornhan. Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Über die Musik haben sie sich vor 20 Jahren kennen gelernt, Pfarrerin Susanna Herr und Pianist Jochen Ferber. Dank dieser Freundschaft gab der Backnanger Künstler erneut ein Konzert im evangelischen Gemeindehaus.

Die kraftvolle und lebendige Interpretation von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 2009 war noch vielen Besuchern in lebendiger Erinnerung. Ferber hatte für sein zweites Konzert am Samstag in Dornhan vier Komponisten aus der Romantik gewählt und begann mit "Drei Klavierstücke D 946" von Franz Schubert in Dur-Moll-Färbungen. Sie würden einen Einblick geben in die größtenteils recht trostlose Gefühlswelt des Komponisten, erklärte der Pianist. Ausdrucksstark interpretierte er die gleichmäßigen Läufe und zeigte in hohem Maße, dass er auch im rasanten Spiel ein feines Gespür für leise Zwischentöne und abgestimmte Phrasierung hat.

Nach dem expressiven Erzähler Schubert folgte die Sonate f-moll op. 57 "Appassionata" von Ludwig van Beethoven. Als Beethoven die "Appassionata" schrieb, im Jahr 1806, war er auf dem Höhepunkt seiner kompositorischen Fähigkeiten, sie ist also eine Herausforderung für jeden Pianisten. Virtuos und mit unbändigem Temperament, jedoch das Tempo immer in der Hand haltend, spielte er diese schöne ausdrucksstarke Sonate, die, so Ferber, wegen ihrer Leidenschaftlichkeit und ihrer romantischen Dunkelheit so beliebt sei.

Nach der Pause folgten die Brahmsschen Fantasien op. 116. Die elegischen, träumerisch-tänzerischen Intermezzi gestaltete Ferber sehr sensibel, fast melancholisch, mit exzellenten Abstufungen, so das "Andante con grazia ed intimissimo sentimento". Aber auch die ihnen gegenüber stehenden dramatischen schnellen Capriccii kamen nicht zu kurz. Diszipliniertes Spiel stand den weichen, weiten Melodienbögen gegenüber. Überfeurig und mit fantasievoller Klangkultur interpretierte der Künstler die beschließende "Ungarischen Rhapsodie Nr. 6" von Franz Liszt, dem Komponisten, der den Bogen von der Romantik zum Impressionismus spannte. "Ekstatisch" war die treffende Beschreibung von Susanna Herr. In der Tat ein famoses Konzert mit einem brillant zusammengestellten Programm. Rufe wie Bravo oder Wahnsinn waren hoch verdient. Der Pianist bedankte sich mit zwei Zugaben, der "Spieluhrpolka" von Johann Strauß II gefolgt von "Nocturne" von Frédéric Chopin.

 


Pasta Amore am Samstag, 11. Februar 2012

Zwiebeln, Nudeln und die Liebe

Schwarzwälder-Bote, vom 13.02.2012 19:01 Uhr

Philipp Golm und Daniela Hense verstanden es, aus Lebensmitteln und profanen Küchengegenständen eine Geschichte zu gestalten, die bewies, dass Liebe durch den Magen geht.  Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote


Philipp Golm und Daniela Hense verstanden es, aus Lebensmitteln und profanen Küchengegenständen eine Geschichte zu gestalten, die bewies, dass Liebe durch den Magen geht. Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Hanni Vollmer Dornhan. Dass Liebe bekanntlich durch den Magen geht und Essen Balsam für die Seele ist, wissen auch die Dornhaner. Es wundert also nicht, dass der Farren­stall am Samstag mit dem Stück "Pasta amore" komplett ausverkauft war.Denn Theater und Kochen, das gab es bisher noch nie. Äußerst gespannt warteten die Gäste an den schön gedeckten weißen Tischen auf die beiden Protagonisten.

Bereits der Auftritt des KKF- Teams ganz in Schwarz mit kleinen oder übergroßen roten Accessoires hatte äußerst neugierig gemacht auf "pasta fatta con tanto amore" – "Pasta mit viel Liebe gemacht".

Und siehe da, sie kamen: Anna im weißen Brautkleid, Peter im schwarzen Anzug, und sie versprachen tatsächlich ein Menü für die Hochzeitsgäste. Beim Zubereiten erzählten sie vom bevorstehenden Fest oder schauten sich tief in die Augen, während Kinder über das Thema Liebe philosophierten. So befand der Nachwuchs etwa Folgendes: "Liebe ist zusammen aus derselben Flasche zu trinken", "Wenn Mama dem Vati das beste Stück vom Hähnchen gibt" oder "Hochzeit und Ringetauschen".

Danach drehte sich das Paar eng umschlungen im Walzertakt zu "Du, du liegst mir am Herzen". Als sie anschließend zwei verliebte Zwiebelfiguren zueinander hinbewegten, wurde dem Publikum klar, dass dies eine etwas andere Vorstellung werden sollte.

Die gelernte Köchin und Figurenspielerin Daniela Hense und ihr Spielerkollege Philipp Golm verbanden ihre eigenen lebendigen, mal schwungvollen, mal traurigen Bewegungen mit denen banaler Gegenstände, die in ihren Händen gleichberechtigt oder sogar eigenständig wirkten. So wurde eine Zwiebel eine Blume, die Peter galant überreichte, leere Dosen dienten als Sektgläser und meterlange Spaghetti wurden zu betörenden Verführern umfunktioniert.

Immer wieder waren die beiden Zwiebelfiguren auf der Bühne. Diese unmittelbare körperliche Auseinandersetzung mit Materialien und Objekten faszinierte sehr, ließ sie doch das Publikum in andere Räume eintauchen, eine Welt voller Fantasie, vielsagend ohne Sprache, die Welt der Kinder, die Erwachsene längst vergessen haben.

Die szenischen Bilder vermittelten das erste Kennenlernen, wie Anna dem Duft seines Körpers folgte, wie Peter ihre runde Figur suchte, aber auch vom Fremdgehen, eben von Berg- und Talfahrten um Liebe, Sehnsüchte, Träume.

Dabei wurde der Nudelteig zu zwei sich suchenden Kugelmenschen, ein Kochtopf wurde zum Telefon, und viel Salz und Pfeffer ergaben den Sandstrand. Die Stimme der Oma ertönte, sie erzählte von ihrer Jugend, ihrem ersten, leider zu kleinen, Verehrer. Synonym für Liebe ist Leichtigkeit, das zeigten Daniela Hense und Philipp Golm mit vielen bunten Papierblüten, die sie strahlend zum Triangel-Klang von "Du, du liegst mir am Herzen" ins Publikum warfen, eine wahre "ondata di amore" (Liebeswelle). Den Abschluss bildeten die Spaghetti, serviert mit süßer Sauce – so süß wie die Liebe.

 


a-cappella mit FÜENF, Freitag, 13. Januar 2012

Füenf

Vokalvirtuosen mit skurrilem Humor

Schwarzwälder-Bote, vom 15.01.2012 18:00 Uhr

Von Hanni Vollmer Dornhan. Spaßig und schräg wie ihre Schreibweise war der Auftritt des a-cappella-Quintetts "Füenf" im bis in die letzte Nische ausverkauften Dornhaner Farrenstall, wo sie auf Einladung von Kunst und Kultur im Farrenstall gastierten. Von den Sänger-Komödianten aus dem Großraum Stuttgart, die sich auf der Bühne Karuso, Memphis, Justice, Pelvis und Dottore nennen, haben die einen Musik, Gesang, Theater, die anderen Produktion und Ensemble-Leitung studiert.

Sie präsentierten eine einzigartige Bühnenshow mit Gesang, Parodie und Persiflage, verknüpft mit toller Komik und Akrobatik. Ihr Repertoire besteht aus selbst komponierten Songs und erarbeiteten Arrangements bekannter Klänge. Das Ganze servieren die Vokalvirtuosen peppig im schrägen blau-gelben Outfit mit scharfen Texten, doppelbödig, grotesk, irrwitzig, stark und treffen damit genau den Zeitgeist.

Je nach Song und Spielwitz gruppierten sie sich in Leadsänger, Background-Sänger und effektvolle musikalischer Untermalung. In ihren lebhaften Stücken ertönt Musik wie Punk, New Wave und Rap oder Swing, Country und Reggae mit Vocal Percussion.

Begeistert war das Publikum über ihre zweifache Parodie auf den TV-Casting-Wahn "Deutschland sucht den Superstar" mit "Wir können eins vor allen Dingen, nämlich überhaupt nicht singen". Warum seien englische Texte erfolgreicher als deutsche? Es läge an dem Wörtchen "love". Den Beweis lieferten sie in einem kessen Medley, in dem sie in den zitierten Pop-Songs "Horst" anstatt "love" einsetzten: Das hörte sich dann so an: "I would do anything for Horst", "Stop, in the name of Horst", "Horst is in the air" und "Give me horst". Tosenden Beifall gab es für diese Arrangements, reich an vielfältigen Klangfarben.

Mit "Glaube an das, was Du überhaupt nicht kannst" sprachen sie die Welt der Coachs an und die Work-Life-Balance. Riesenbeifall ernteten sie nach ihrem Wortspiel "Kapp uff, Kabuff" sowie mit "Wir starken Männer". Der Dottore als gutaussehender italienischer Kerl verriet, warum deutsche Männer keinen Erfolg bei Frauen hätten. Dieser Auftritt gefiel besonders den Damen im Publikum.

Das "Füenf"-Lied auf die Schwaben lautete etwa so: "Die Schwaben sind zuverlässig, aber ohne Humor, dafür haben sie die saubersten Treppenhäuser und bauen die besten Autos".

Das Publikum war den ganzen Abend am Lachen und Staunen. Denn wer hätte gedacht, dass ein Sänger mit dem einzigen Instrument, das ihm zur Verfügung steht, seiner Stimme, solch herrliche, instrumentenähnliche Laute erzeugen kann? Hier gefiel besonders der tragende Bass des Dottore und die immense Konsonantenanreihung von Memphis und Pelvis, aber auch Karuso schonte seine Stimmbänder keineswegs. Justice brillierte nicht nur mit seinem klaren Tenor, er zeigte sich auch als pfiffiger Entertainer. Natürlich gab es Zugaben nach Zurufen und Pfiffen. Wieder einmal hatte KKF bei der Auswahl den richtigen Riecher bewiesen.

Quelle: Schwarzwälder Bote

 


 

Kuntu - Afrikanisches Mitmach-Trommelmärchen am Sonntag, 6. November 2011 im Bürgersaal

Spannende Abenteuer im Dschungel

Schwarzwälder-Bote, vom 07.11.2011 19:02 Uhr
Alle mal aufstehen und mitmachen: Beim
Alle mal aufstehen und mitmachen: Beim "Kuntu"-Erzähltheater geht es lustig zu. Foto: Sikeler Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Jens Sikeler

Dornhan. Bei einem afrikanischen Trommelmärchen mit der Gruppe "Kuntu" am Sonntagnachmittag im Dornhaner Farrenstall machten die Kinder Bekanntschaft mit Bewohnern im Dschungel.

Neben Leopard, Löwe, Spinne kamen in der Geschichte, die das dreiköpfige Erzähltheater "Kuntu" den Kindern nahe brachte, auch ein kleinen Junge, der den Regenvogel fing, und das kleine tollpatschigen Mädchen Ana vor.

Der Geschichtenerzähler ist Hansjörg Ostermayer. Er tut das mit dem ganzen Körper. Er hüpft, krümmt seinen Körper, erstarrt plötzlich, dabei wechselt seine Mimik von blankem Entsetzen zu großer Freude, um Bruchteile später verdutzt dreinzuschauen.

Auch als Erwachsener konnte man sich so richtig vorstellen, wie es der kleine Spinnenmann mit der Riesenschlange  aufnimmt und ganz nebenbei auch noch den König des Dschungels besiegt. Viel über den Wert der Freiheit lernten die Kinder in der zweiten Geschichte. Ein kleiner Junge fängt den Regenvogel, der seinem Dorf den Regen bringen soll. Um das zu tun, müsste der Vogel aber singen. Dass nur singt, wer fröhlich ist und zum Fröhlichsein die Freiheit gehört, das muss der kleine Junge erst selbst schmerzhaft erfahren.

Mary Ann Fröhlich und Chris Portele standen derweil natürlich nicht nur rum und schauten Ostermayer bei seinem Treiben zu. Die Gruppe "Kuntu" bezeichnet sich als "Erzähltheater zum Mitmachen". Und Mitmachen hieß am Sonntagnachmittag mittanzen. Das Trio hatte eine ganze Reihe von Trommeln aufgebaut.  Von denen wurde eifrig Gebrauch gemacht. Es war fast ein bisschen magisch, so begeistert machten die Kinder mit. Die kleinen Beine stampften. Und die Körper der Kinder wiegten sich im Takt. Dazu sangen sie gemeinsam mit "Kuntu" afrikanische Lieder.

Im Anschluss an den Auftritt des Trios schauten sich die Kinder die Trommeln ganz genau an und probierten sie natürlich auch selbst aus. Veranstalter des Kindernachmittags war Kunst- und Kultur im Farrenstall (KKF).

 


Magier Ralf Gagel, 12. November 2011

SCHWEBENDE FRAUEN, BETUCHTE ZITRONEN

Zauberkünstler Ralf Gagel ist bei seinen Stücken oft in engem Kontakt zum Publikum. Foto: Sikeler

Zauberkünstler Ralf Gagel ist bei seinen Stücken oft in engem Kontakt zum Publikum. Foto: Sikeler

Dornhan - Es war das konventionelle Ende einer unkonventionellen Show: Der Zauberer Ralf Gagel ließ eine Frau aus dem Publikum schweben. Zuvor hatte er im restlos ausverkauften Farrenstall sein Publikum immer wieder mit seiner Fähigkeit zur "Gedankenübertragung" verblüfft.

"Wer von ihnen glaubt an die Gedankenübertragung", hatte er sein Publikum gleich zu Beginn gefragt. Kaum eine Hand ging hoch. Hätte er dieselbe Frage nach der Show wieder gestellt – das Ergebnis wäre eine anderes gewesen.

"Das ist der Hammer", entfährt es einer Frau aus dem Publikum

Eine Frau sollte aus einem großen Stapel von Bildern eines auswählen. Es zeigte einen Sonnenaufgang vor der Nordseeinsel Föhr. Dasselbe Bild stand auch auf der Staffelei, die er enthüllte. "Das ist der Hammer", entfuhr es einer Frau aus dem Publikum.

Wenige Minuten später: Gagel lässt sich seine Augen aufwendig zukleben. Vorher hatte er Zeitschriften im Publikum verteilt. Das Publikum konnte sich eine Seite heraussuchen. Gagel wiederum konnte haargenau erklären, was auf der Seite zu sehen war. Und so ging es munter weiter: Gagel hatte immer noch die Augen verbunden und bat das Publikum einen beliebigen Gegenstand in die Hand zu nehmen. Er ließ seine Hand kurz über dem Gegenstand kreisen, sagte etwas wie "vor meinem inneren Auge" und bewies eine erstaunliche Treffsicherheit bei der Beschreibung der Gegenstände.

Und genau das ist eine von Gagels großen Stärken: Er bindet sein Publikum ein. Immer wieder holt er Zuschauer auf die Bühne oder beteiligt sie auf andere Art und Weise an seiner Show. Für seinen verblüffendsten Trick holte er sich einen kleinen Jungen samt Fünf-Euro-Schein auf die Bühne. Nachdem Gagel den Schein hatte verschwinden lassen und ihn in eine Spendenquittung verwandelt hatte, "zauberte" er die Geldnote in eine Zitrone. Der Junge schnitt die Frucht auf, der Saft tropfte – und heraus kam der von dem Kind signierte Geldschein.

Das "Standardrepertoire" beherrschte Gagel natürlich auch: Eine Frau aus dem Publikum fing zu ihrer eigenen Verblüffung tatsächlich an zu schweben. Einen Stuhl führte er nur an der Tischdecke durch den Farrenstall. Und vermeintlich massive Ringe erwiesen sich als überhaupt nicht so massiv.

Quelle: Schwarzwälder Bote

 


MAGISCHE MOMENTE IM BÜRGERSAAL

„Wie hat er das bloß gemacht?“ lautete der am späten Samstagabend sicher meistgesagte Satz in Dornhan und Umgebung. Ein Magier namens Ralf Gagel hat für die wunderbare Mischung aus Begeisterung und Verwunderung gesorgt und damit die großen und kleinen Besucher des Bürgersaals gleichermaßen in ihren Bann zog. Ob mit Karten, Bildern, Geldscheinen, ob sehenden Auges oder scheinbar blind: Der sympathische Mann, der so harmlos wirkt, hat es faustdick hinter den Ohren. Und lässt deshalb mal eben so einen Tisch fliegen. Oder ganze Frauen schweben. Frauen, die mittags noch nicht mal wussten, dass sie abends schon schwerelos sein würden. Wer also für einen Teil der kleinen Wunder, die da am Samstag zu sehen waren, Komplizenschaften oder aufwändige technische Mittel als des Rätsels Lösung in Erwägung zieht, dem sei vom KKF-Team versichert: Die schwebende Ute gehört zu uns und weiß bis heute nicht, wie ihr geschehen ist. Rätseln Sie also gemeinsam mit uns weiter – wir freuen uns auf Ihre Lösungsvorschläge.

Wir bedanken uns bei unseren Besuchern für einen tollen Abend und für die große Geduld angesichts der beengten Platzverhältnisse!

 

Eure Mütter mit "Nix da "Leck mich" - auf geht's!" in der Mühlwieshalle Marschalkenzimmern

Sogar das Synchron-Haarewaschen beherrschen sie ohne jeden Punktabzug! Fotos: Klaus Kretschmann

Humor macht viele Dinge erträglicher

Schwarzwälder-Bote, vom 30.10.2011 19:01 Uhr

Von Cristina Priotto Dornhan-Marschalkenzimmern. "Was tut man nicht alles für einen guten Witz?" - diese Frage stellten "Eure Mütter" am Freitagabend bei ihrem Auftritt in der ausverkauften Mühlwieshalle in Marschalkenzimmern. Die Antwort lieferten sie gleich selbst: Alles, denn das Stuttgarter Comedy-Trio ist sich für nichts zu schade, um das Publikum zu unterhalten. Erleichternd hinzu kommt für Matthias Weinmann, Donato Svezia und Andreas Kraus, dass sie keine Tabus kennen und sich bei der Jagd nach derben Pointen auch selbst ins Visier nehmen.

Comedians huldigen in schrägen Liedern unterschätzten Dingen

Den 500 Zuschauern präsentierten sie ihr Programm "Nix da ›Leck mich!‹ Auf geht’s!". Gut zweieinhalb Stunden lang boten die drei eine äußerst unterhaltsame Mischung aus Liedern mit schrägen Texten, Stand-up-Nummern und Sketchen.

Schon kurz nach dem rasanten Begrüßungs-Rap war das Publikum in die Show miteinbezogen. Ab da waren in der Halle fast ununterbrochen Glucksen, Kichern oder lautes Lachen zu hören, zumal das Tempo, in dem "Eure Mütter" die Pointen zündeten, den Zuhörern kaum eine Verschnaufpause ließ.

Bei allem Humor nehmen die Comedians ihre Sache durchaus ernst. Eine der Aufgaben, die sie sich selbst auferlegt haben, ist es, Lücken im deutschen Liedrepertoire zu schließen – oder wer sonst hätte jemals Oden an Winterreifen oder feuchtes Toilettenpapier verfasst? Bei ihren musikalischen Einlagen scheuten die Stuttgarter auch nicht davor zurück, sich als Jungbullen mit Kuhwesten zu verkleiden und Dokumentationen über Tiere zu verballhornen oder in schrill-roten hochhackigen "Schlampentürmen" über die Bühne zu stolzieren. Gewagt nahmen sie auch Schlagersänger mit ihrem eingemeißelten Zwangsgrinsen und talentfreie Nachwuchsrockstars auf die Schippe, indem sie sich über deren grottenschlechte Texte lustig machten. Einzigartig dürfte auch ihre Interpretation von Beethovens "Ode an die Freude" sein, bei der Blechschüsseln eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

So ausgeprägt die Fähigkeit zur Selbstironie bei den drei Männern ist – wenn es darum geht, über ihre Mitmenschen zu lästern, werden Matthias Weinmann, Donato Svezia und Andreas Kraus richtig unerbittlich: Vom servicefernen Billigfriseur über nörgelnde Frauen, sozialinkompetente Autisten bis zu pseudo-lustigen Straßenpantomimen kriegen alle ihr Fett ab. Dabei geht es nicht selten reichlich derb zu, allerdings verbinden "Eure Mütter" Witze unterhalb der Gürtellinie meistens mit ironisch-philosophischen grundsätzlichen Lebensfragen wie der, wie es sein könne, dass die Zahl der Nackedeis im Internet höher ist als die gesamte weltweite Bevölkerungszahl.

Nicht fehlen durften der obligatorische Malwettbewerb für das Publikum in der Pause und, nach einigen frenetisch geforderten Zugaben, das Synchron-Haarewaschen als typische und legendäre Schlussnummer für einen Abend voll absurd-komischen

Ob mit oder ohne Hose: Bei Andi, Don und Matze (v.l.) ist immer was los.

DATSCHWECKEN UND DAUERGRINSEN: EURE MÜTTER MACHEN VOR NICHTS HALT

Freitag, 15.50 Uhr in Marschalkenzimmern. Drei ortsfremde Herren in den Dreißigern flanieren sichtlich entspannt durch die Mühlwieshalle, rufen hier und da ein fröhliches Hallo in die Runde der KKF-Helfer, sind aber ansonsten schwer beschäftigt: mit Essen. „Seit 16 Jahren sind wir auf Tour, aber das hatten wir noch nie!“, frohlockt Andi, strahlt vom linken Ohr zum rechten und schert sich wie seine Kollegen nicht die Bohne um sein weißes Eischaum-Oberlippenbärtchen – sichtbare Folge der Tatsache, dass sie schmecken, die Datschwecken, die KKF-Chefköchin Moni den drei Komikern von EURE MÜTTER in die Garderobe gestellt hat.

18.35 Uhr. Der Einlass beginnt erst in 25 Minuten. Die Schlange der Wartenden wird schon jetzt lang und länger. 500 Karten sind im Vorverkauf weggegangen wie warme Semmeln. Jetzt geht es drum, die besten Plätze zu ergattern.

20.03 Uhr bis ca. 22.35 Uhr. Furios, rasant – und gnadenlos zielsicher fernab aller Themen, die sich auch für ein Tischgespräch in kultivierter Runde eignen würden: Was Don, Matze und Andi von EURE MÜTTER in den kommenden ca. zweieinhalb Stunden auf die Bühne bringen, lässt sich an temporeichen Ausflügen ins Land der Tabus kaum überbieten. „Kann gut sein, dass Du heute Abend ein paar neue Wörter lernst!“, warnt Andi auch gleich zu Beginn den 10-jährigen Maxi Haas. Denn auf Gürtellinien oder diplomatische Umschreibungen pfeifen er und seine Kollegen. Alles, was der menschliche Körper hergibt, wird besprochen, besungen, eindeutig benannt – oder einfach mal auf der Bühne demonstriert. Alles, was im Alltag peinlich werden kann, kommt aufs Tapet. Egal ob Freund oder Feind, ob malendes Publikum oder singender Prolet, ob Möchtegern-Pornostarlet oder Dumpfbacken-Reifenfan – immer geht es mittenrein mit dem Finger in die Wunde und wird kräftig gewürzt mit einer guten Portion salziger Ironie. Dass sich die Zuhörer dabei wegwerfen vor Kichern und Lachen und Toben und Mitbrüllen, hat einen guten Grund: EURE MÜTTER machen auch vor sich selbst nie Halt. Und genau das macht sie trotz aller Derbheit so sympathisch.

KKF bedankt sich bei EURE MÜTTER, bei allen Besuchern und Helfern für einen unvergesslichen Abend!

 


Ratzeputz ausverkauft! 500 Gäste freuen sich auf den Auftritt von Eure Mütter.



LESUNG Giftpilz - eine Veranstaltung der Buchlese Dornhan, unterstützt von KKF


Stefan Ummenhofer (rechts) und Alexander Rieckhoff (links) gaben Kostproben aus ihren Kriminalromanen. Foto: Sikeler Foto: Schwarzwälder-Bote


Mischung aus Humor und Spannung

 

Von Jens Sikeler

Dornhan. Krimis mit viel Humor: Das ist das Markenzeichen des Autorenduos Alexander Rieckhoff und Stefan Ummenhofer. Die beiden lasen am Freitag im Dornhaner Bürgersaal aus ihren Werken.

Hubertus Hummel heißt der Protagonist ihrer Krimis: Ein Oberstudienrat aus Villingen-Schwenningen, ein korpulenter Mann mit schütterem Haar, Fan der Wild Wings, fast geschieden, aber schon in einer neuen Beziehung und gesegnet mit dem Talent, in immer neue Kriminalfälle hineinzustolpern. Selbst wenn der gute Mann sich in der Reha im malerischen Königsfeld befindet, muss er einen Mordfall aufklären.

Rieckhoff und Ummenhoffer finden in ihren Romanen, die Titel tragen wie "Giftpilz" oder "Honigsüß", genau die richtige Mischung zwischen Humor und Spannung. Es zeichnet sie dabei ein präziser Blick für die Absurditäten des Alltags aus. Unglaublich komisch ist es etwa, wenn sie eine Gruppentherapie beschreiben. In den Romanen der hauptberuflichen Journalisten tummeln sich "Originale". Es gibt einen Lokaljournalisten namens Riesle, mit dem Hummel zusammen seine Fälle aufklärt. Kommissar Claas Thomsen plagen diverse Phobien. Sein Kollege Himmerhalten arbeitet im Nebenberuf als Landwirt.

Die Lesung der Autoren ist auch deshalb ein Erlebnis, weil sie ihre Bücher dabei richtiggehend inszenieren. Sie sprechen die Dialoge abwechselnd und setzen sich dazu verschiedene Kopfbedeckungen auf. Lokalkolorit gehört zu den Romanen. Es ist allerdings keiner von der aufgesetzten Sorte. Eher beiläufig lernt der Leser die Eigenheiten der Doppelstadt kennen. Und natürlich sprechen einige Charaktere Dialekt. Das kommt erstaunlicherweise auch bei Menschen an, die ihn gar nicht verstehen. Das jedenfalls berichteten die Autoren.

Ummenhofer und Rieckhoff erklärten bereitwillig auch ihre Arbeitsweise. Eines interessierte das vornehmlich weibliche Publikum besonders: Wie arbeitet das Autorenduo zusammen? Die Beiden schicken sich, wie sie erklärten, ständig E-Mails, telefonieren in der Endphase des Buchs gerne auch mehrmals täglich und treffen sich bei größeren Probleme persönlich.

Die Struktur des Romans haben sie bis jetzt jedes Mal in einem Ferienhaus im Schwarzwald unter der Zuhilfenahme von reichlich Rotwein ausgeheckt.

Quelle: Schwarzwälder Bote vom 4.10.2011

 


 

 

FERNADO - Ferienprogramm in Dornhan - Wasserrutsche am Wasserhäusle am 10. August 2011


Die Wasserrutsche war wie immer die Attraktion für die Kinder.


Am Mittwoch, 10.08.2011, durften 45 Kinder einen wunderbaren Nachmittag erleben.
Rund um das Wasserhäusle im Zitzmannsbrunnenbachtal zwischen Dornhan und Bettenhausen hatten die Helfer des Heimatvereins mehrere Stationen für die Kinder zum Spielen aufgebaut.

Hauptattraktion war wie alle Jahre die Wasserrutsche. Die Kinder hatten einen riesen Spaß an der Rutsche und vor allem am Auslauf, wenn man in der Schlammpfütze landete und von oben bis unten verspritzt war. Gott sei Dank spielte das Wetter mit und die Kinder konnten sich mit dem Schlauch wieder abspritzen.

Weitere Stationen waren das Schwämme tragen, Dosen werfen, Spritzpistolen schießen, Schiffe versenken etc. Und natürlich war der Bach ein großer Anziehungspunkt. Einige Kinder hielten sich den ganzen Nachmittag im und am Bach auf.

Es war mal wieder eine rundum gelungene Veranstaltung, die mit Grillen am Lagerfeuer ihren Ausklang fand. Einige der Kinder haben bereits ihr Kommen für das nächste Jahr angekündigt.


 

Zimmertheater Rottweil Open-Air auf dem ev. Kirchplatz am Samstag, 9. Juli 2011

Zimmertheater 2011 Viel Lärm um nichts Kirche klein

Ein lauer Sommerabend, viele Besucher und die Darsteller des Zimmertheaters in bester Spiellaune: Das Open-Air 2011 ist rundum gut gelungen.

 

Am Ende viel Lärm um einen schönen Abend

Schwarzwälder-Bote, vom 10.07.2011 21:02 Uhr

Von Hanni Vollmer
Dornhan.
Tosenden Applaus bekam das Zimmertheater Rottweil für die moderne Interpretation der Shake­speare-Komödie "Viel Lärm um nichts" unter der Regie von Tonio Kleinknecht.

Im hochsommerlichen Freilichtambiente wurde das Publikum mit zwei total unterschiedlichen Paaren in lebhafter, witziger Bühnensprache konfrontiert: Den vor Liebe zergehenden jungen Naivlingen Hero (Franziska Bon) und Claudio (Bastian Thurner) sowie den etwas reiferen Protagonisten Benedikt und Beatrice, hervorragend gespielt von Ralf Schneckenburger und Kristine Walther, er ein intellektueller Liebesskeptiker und sie die spitzzüngige Männerfeindin. Intrigierende Bösewichte gehören zum Leben, also auch auf die Bühne, so will es Shakespeare. Er kannte die dunklen Seiten der menschlichen Seelen, die Sehnsucht nach Zerstörung und Kälte, und hat diese Abgründe in den Personen von Don Juan und Borachio veranschaulicht. Treffsicher vergiften der illegitime Halbbruder von Prinz Pedro und sein Begleiter beim Maskenball Claudios liebesseliges Gemüt, indem sie Don Pedro anschuldigen. Arwid Klaws, der Don Pedro und Don Juan verkörpert, konnte die beiden Charaktere klar abgrenzen.

Zimmertheater 2011 Viel Lärm um nichts Schauspieler im Publikum

Die Schauspieler des Zimmertheaters nutzten jeden Zentimeter des Spielorts Kirchplatz und hatten keine Scheu, sich auch mitten unters Publikum zu mischen. Fotos: Klaus Kretschmann

 

Mit Borachio und Margaret schlüpfte Dorothee Jakubowski in zwei sehr konträre Nebenrollen, zeigte dabei jedoch nicht weniger komödiante Präsenz. Indes im Leben und somit auf der Bühne gibt es integre Menschen, so Benedikt, der das Ränkespiel durchschaut, mit Beatrice Fronten, Allianzen und Ursachen klärt und die Liebenden Hero und Claudio wieder vereint. Gelungen setzt Patrick Hellenbrand den sehr modernen Leonato, Gouverneur von Messina und Vater von Hero, in Szene. Große Augenblicke beim Komplott, Beatrice und Benedikt zu vereinen. Sie ist ihm dabei würdig, die Wortduelle des ungleichen – oder eher doch gleichen – Paars werden zur Krönung des Stücks. Vergnügt lauscht das Publikum dem sich zähmenden Paar nach dem Motto "Was sich neckt, das liebt sich" und verfolgt, wie der überhebliche Schnösel zum verliebten Gockel wird und wie Beatrice sich leise ihre Liebe gesteht.

Kleinknecht hat mit viel Gespür – trotz einem etwas langatmigen ersten Akt – den Schauspielern eine gebührende Plattform geschaffen, um die herrlichen Charaktere, die Wortschärfe und den prickelnden Witz aufzuzeigen.

Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de


 

 

Hans-Frieder Breymayer "Gottes ist der Orient": Beziehungen zwischen Württemberg und Russland, Freitag, 8. April 2011, Bürgersaal im Farrenstall

 

Von Dornhan nach Russland

Schwarzwälder-Bote, vom 10.04.2011 20:00 Uhr

Dornhan. "Russland ist uns näher als wir denken", leitete Hans Frieder Breymayer seinen Vortrag ein. Er suchte nach Spuren in den Osten, und wurde schon 40 Meter vom Dornhaner Farrenstall entfernt fündig. Das Denkmal erinnert neben John Bühler auch an Wilhelm Wagner, der in Odessa zu Wohlstand gekommen war, dabei aber seine arme Heimatstadt Dornhan nicht vergessen hatte.

160 Besucher hörten den Vortrag des früheren Dornhaner Stadtpfarrers, der auf Einladung von KKF Kunst- und Kultur im Farrenstall gekommen war. Der Erlös der Veranstaltung ist für die Orgelsanierung der evangelischen Stadtkirche bestimmt.

Breymayer verstand es, sehr kurzweilig die Bezüge zwischen Dornhan und Russland, aber besonders auch zwischen Württemberg und dem ehemaligen Zarenreich herzustellen. Es war ein Geschichtsunterricht, wie man ihn sich lebendiger nicht wünschen konnte.

Breymayer erwähnte das Katharinenhospital oder das "Olgäle" in Stuttgart – Einrichtungen, die auf russische Zarentöchter zurückgehen. Aus Dornhan selber sind Anfang des 19. Jahrhunderts viele Familien ausgewandert, vor allem in den Hungerjahren 1817/1818. Was mit diesen Auswanderern geworden ist, konnte Breymayer allerdings nicht sagen. Doch die meisten von ihnen sind namentlich bekannt: Breymayer listete mehr als 20 Namen auf. Darüber, meinte er, könnte man eine Doktorarbeit schreiben.

Ausgangspunkt einer engen Verbindung von Württemberg und Russland ist aber das ehemals württembergische Mömpelgard in Frankreich. Die Fürstentochter Sophie Dorothee, die von dort stammte, wurde später durch Heirat Zarin. In Russland kümmerte sich sich unter anderem um Waisenhäuser, Schulen und Landwirtschaft und gab viel Geld für soziale Zwecke aus.

Ihre ebenso kluge wie schöne Tochter Katharina heiratete 1816 den württembergischen König Wilhelm. Breymayer sprach voller Bewunderung von dieser Frau, die den Schlossgarten für alle öffnete, den Wohltätigkeitsverein, die Sparkasse für Dienstboten, die landwirtschaftliche Akademie Hohenheim sowie das Volksfest gründete und den Anstoß für das nach ihr benannte Krankenhaus gab. Bereits 1819 starb sie, möglicherweise aus Enttäuschung über ihren untreuen Ehemann, so Breymayer. Wohltätig wirkten auch die kluge und gebildete Königin Olga, eine Nichte Katharinas, oder die Großfürstin Vera, auf deren Initiative in Stuttgart ein Heim für ledige Mütter gebaut wurde.

Die Beziehungen zwischen Russland und Württemberg waren aber nicht nur segensreich: 17 000 württembergische Soldaten zogen mit Napoleon nach Russland – nur 300 kehrten wieder heim. Deutsche Soldaten kämpften im Ersten und Zweiten Weltkrieg gegen Russland. Von Stalins Säuberungen waren auch württembergische Auswanderer betroffen. Und umgekehrt wurden Russen als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Mit der Friedenspolitik von Michail Gorbatschow habe es einen neuen Anfang gegeben, sagte Breymayer. Russlanddeutsche kamen dann auch nach Dornhan, wo sie zu den treuesten Gottesdienstbesuchern gehörten. Am Ende seines anderthalbstündigen Vortrags stimmte Breymayer auf dem Klavier das Lied "Kein schöner Land in dieser Zeit" zum Mitsingen an.

Quelle: Schwarzwälder Bote


 

 

Karl Jenkins "Requiem" am Samstag, 19. Februar 2011, in der evang. Stadtkirche / Veranstalter: Kantorei Dornhan



Markus Arnold (rechts) dirigiert die Dornhaner Kantorei, den Liederkranz Owen e.V.
und die "arcademia sinfonica". Foto: Vollmer Foto: Schwarzwälder-Bote


Helle Klänge zu bedrückendem Thema

Schwarzwälder Bote vom 20.02.2011
Von Hanni Vollmer

Dornhan. Wer immer geglaubt hatte, die Dornhaner Kantorei könnte nur traditionelle Kirchenmusik singen, der wurde mit der Aufführung der Totenmesse des zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins eines Besseren belehrt.Gastdirigent Markus Arnold hatte die hochmotivierten Sänger und Sängerinnen der Kantorei Dornhan und des Liederkranz’ Owen e.V. zusammengeschlossen, um mit einem großen Chor diese wunderbare Komposition aufführen zu können, die Klassik mit Pop und keltischen Einflüssen verbindet und mit westlichen und östlichen Kulturelementen verwebt.

 

Bereits mit dem ruhigen In­troitus überzeugten die beiden Chöre durch ihre stimmliche Geschlossenheit. Dass Arnold Chor und Orchester sowohl in der Intonation als auch in den Klangfarben sehr gut vorbereitet hatte, zeigte sich besonders bei "Dies irae". Mit einer schier unüberbietbaren Gewaltigkeit, forte von der ersten bis zur letzten Note, erklang der zweite Satz des Requiems, "Der Tag des Zorns", im Hip-Hop-Stil. Diese sehr anspruchsvollen Akkorde wurden von den einzelnen Stimmgruppen sicher, präsent und homogen im Zusammenklang gesungen.

 

Das Orchester unterstrich spannungsvoll die rhythmisch aufpeitschenden Raffinessen dieses Satzes. Die Frauenstimmen gaben die tränenreichen Bögen des Lacrimosa subtil wieder.

 

Warm in den tiefen und hell in den hohen Lagen überzeugte Larisa Malikova in ihren Soli. Der 11-jährge Ardi Malikova berührte die Zuhörer mit "Pie Jesu". Die positiven lyrischen Botschaften über Vergänglichkeit und neues Erwachen in den Haikus wurden von den Frauenstimmen in langsamen, weichen Tempi auf japanisch beeindruckend vorgetragen. Dabei bildeten die gregorianischen Männergesänge im "Benedictus" und "Agnus dei" einen herrlichen Kontrast zu diesen fremden Klangbildern.

 

Den perfekt aufspielenden Musikern der "arcademia sinfonica" gelang es meisterhaft, das höchst differenzierte farbenprächtige Gemälde dieses Werks mit all seinen Kontrasten durchsichtig zu machen. Die goldenen Klänge der Harfe in "Paradisum" vermittelten sanfte, helle Bilder von warmem Licht und Engeln. Alle Akteure schafften es, den Spannungsbogen von Beginn bis zum Schluss zu halten und dem Thema Tod eine musikalische Interpretation zu geben, die in keiner Weise bedrückend ist. Die Ergriffenheit der Zuhörer in der fast ausverkauften Marienkirche am Schluss des Konzerts ging über in einen lang anhaltenden begeisterten stehenden Applaus.

Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de

 


 

 

Heinrich del Core am Samstag, 8. Januar 2011, im Bürgersaal

Dolce vita bei Schwaben und Italienern

Schwarzwälder Bote vom 10. Januar 2011

Von Hanni Vollmer

Dornhan. Frisch und bodenständig wie schwäbischer Riesling, zuckersüß wie Sfogliatelle hörten sich die "erfundenen wahren" Geschichten von Heinrich del Core an, dem selbstbewussten Italo-Schwoba, der mit seinem Programm "Der Inländer" am Samstag im ausverkauften Farrenstall in Dornhan auftrat.

Der Zimmerner Kabarettist ließ sich über die schwäbischen "Medele", Pünktlichkeitswahn, Sparsamkeit und Kehrwoche aus. Das Publikum amüsierte sich köstlich über del Cores Witz und Akrobatik, mit der er die schwäbische Sprache und deren tückenhafte Grammatik erläuterte. Andererseits trat er als Italiener auf, der sich eine Stunde lang verabschiedete. Dem "Schwoba" reichte dafür ein "Ade".

Heinrich del Core ist ein Kind der ersten Gastarbeiter-Generation, der genauestens die leisen schwäbischen und lauten italienischen kulturellen Töne kennt. Dabei bezeichnet er sich als feurig wie der Ätna und zuverlässig wie ein Daimler. Er erzählte von Familie und Beruf, von Land und Leuten, vom lieben Geld im Ländle und wie niemand in Italien damit umgehen könne.

Auch pantomimisch zeigt er hervorragend die Unterschiede der beiden Kulturen, so bei Nationalhymnen. Langsam, ein bisschen schwerfällig, jedoch kerzengerade strammstehend mit braunen Socken in den Schuhen, zeigte er sich bei "Einigkeit und Recht und Freiheit" mit bewegungsloser schwarz-rot-goldener Flagge, dagegen frech-respektlos mit Sonnenbrille und großem Macho-Gehabe ohne Socken bei "Fratelli d’Italia" mit einem lässig hin und her flatterndem grün-rot-weißen Fähnlein.

Er zauberte mit Karten, Geldscheinen und ganz alltäglichen Dingen wie Gabel und Löffel und schaffte es, einen guten Kontakt zum Publikum herzustellen. Über neueste Errungenschaften wie Handys so klein wie Zäpfchen ließ er sich aus. Abends ging er mit Kopfschmerzen ins Bett, morgens hatte er immer noch Kopfschmerzen, sein Handy war jedoch weg.

Der baden-württembergische Kleinkunstpreisträger, gelernter Zahntechniker, bietet auch ein lustiges Repertoire al dente nach dem Motto "Humor ist, wenn man trotzdem beißt". Kurzum, ein amüsanter schwäbisch-italienischer Abend, an dem nichts ernst genommen wurde, nicht einmal Italiens Ministerpräsident Berlusconi und der deutsche Außenminister.

 

Foto: Klaus Kretschmann, Dornhan

Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de