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Adele Neuhauser in Dornhan: „Ich war einmal mein größter Feind“

Von Hanni Vollmer

Wer kennt sie nicht, die sympathische Schauspielerin Adele Neuhauser als vom Nikotinhusten geschüttelte Bibi Fellner, die im Wiener Tatort so gerne mit „Bist deppat?“ um sich wirft?

 

Am Wochenende war der TV-Liebling Gast bei KKF – Kunst und Kultur im Farrenstall. Angereist war die 60-Jährige allerdings nicht mit ihrer schrill lackierten Karre, sondern mit dem Bus ihres Sohnes Julian Pajzs, einem Jazzmusiker, der mit der Band „Edi Nulz“ die Lesung seiner Mutter begleitete.

 

„Ich war mein größter Feind“ lautet ihr autobiografisches Buch, aus dem Neuhauser eindrucksvolle Passagen las. Ihr Publikum im ausverkauften Saal war im Nu gefangen.

Als Adele vier Jahre alt war, übersiedelte die Familie der gebürtigen Athenerin nach Wien.

Schon bald wurde ihre Kindheit beeinflusst von der Trennung der Eltern, nach der sie beim griechischen Vater lebte. Warmherzig und mit großer Offenheit erzählt sie von Schwächen und Krisen, von Selbstmordversuchen zwischen dem zehnten und dem 21. Lebensjahr. Die Schauspielerlei gab der jungen Adele aber den notwendigen Halt zur Selbstfindung. Sie lernte, sich vom Leben umarmen zu lassen. Am Theater in Münster und später in Essen hatte Neuhauser die Möglichkeit, sich auszuprobieren und zu entwickeln, dabei auch hartnäckig und durchsetzungsfähig zu werden. Den Durchbuch schaffte sie dann aber beim Fernsehen.

Bibi hat viel Zivilcourage, ein großes Herz und setzt sich für die Wahrheit, für Gerechtigkeit und die Schwächeren ein. Sie ist nicht perfekt, nicht geschleckt, hat Empathie und Humor. „Diese Rolle passt zu mir“, sagte die prominente Kriminalfrontfrau mit ihrer markant-tiefen Stimme.

Sie erzählte auch von ihren österreichischen Goßeltern, die beide Malerei studierten und ihr den Blick für die Kunst und die heimischen Wälder schärften.

Durch den Tod ihrer Eltern und ihres Bruders habe sie die Endlichkeit extrem erfahren. Das habe ihren Blick aufs Leben positiv verändert. Das eigentliche Glück liegt für Adele in einer durch einfache Dinge zustande kommende Zufriedenheit. Ganz offen erzählte sie von Vorbildern, und sie gab auch Träume preis. Dann berichtete sie von ihrer Liebe zu Julian. „Schon als ich mit ihm schwanger war, hatte ich das Gefühl, da passiert etwas Göttliches in mir und mit mir. Als ich ihn dann zum ersten Mal in den Armen hielt, spürte ich eine bedingungslose Liebe“. Das sei bis heute so. Man begegne sich immer auf Augenhöhe, sagte die stolze Mutter.

Faszinierend bei ihrer Lesung war immer auch die melodiöse Wiener Mundart mit weichen Konsonanten und in die Länge gezogenen Vokalen. Eine Sprache, die mit einem gewissen Augenzwinkern beim Zuhörer ankam.

Das Dornhaner Publikum war vollkommen begeistert, auch von „Edi Nulz“ mit den experimentellen Rock-Jazz-Arrangements.

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